WESt Nachfolgeimpuls – Die Übergabe im Kopf beginnt vor der Unterschrift
Beim NachfolgeImpuls der WESt in Hörstel durfte ich über die zwischenmenschliche Seite der Unternehmensnachfolge sprechen. Ein Abend, der mir nicht nur wegen meines Vortrags in Erinnerung bleiben wird – sondern auch wegen einer unerwarteten Begegnung danach.
Rund 50 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie weitere Nachfolgeinteressierte kamen am 24. September 2026 zum NachfolgeImpuls der Kreis-Wirtschaftsförderung WESt nach Hörstel.
Im Mittelpunkt stand eine Frage, die viele Familienunternehmen früher oder später beschäftigt: Wie lässt sich Unternehmensnachfolge rechtzeitig, wirtschaftlich sinnvoll und menschlich erfolgreich vorbereiten?

Gutes Zusammenspiel ist das A und O
Der Nachmittag zeigte sehr schön, wie viele Perspektiven dabei zusammenspielen.
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Thomas Terhaar von KRP Klaus Ribbert und Partner rückte die Übergabefähigkeit eines Unternehmens und die frühzeitige steuerliche und strukturelle Vorbereitung in den Mittelpunkt. Gennaro Ippolito von der Hellmann Logistik Gruppe gab Einblicke in die Vorbereitung und den Ablauf eines Unternehmensverkaufs. Walter Steen stellte die Wirtschaftssenioren Osnabrück und deren Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen vor. Und mit kurzen Pitches potenzieller Nachfolger wurde auch die Perspektive derjenigen sichtbar, die ein Unternehmen übernehmen möchten.
So unterschiedlich die Blickwinkel waren, zog sich eine Botschaft durch den Nachmittag:
Gute Nachfolge braucht Zeit.
Nachfolge findet auf zwei Ebenen statt
Mit meinem Abschlussimpuls „Die Übergabe im Kopf beginnt vor der Unterschrift“ durfte ich anschließend den Blick auf eine Seite der Nachfolge lenken, die sich weniger gut in Verträgen, Bilanzen oder Zeitplänen abbilden lässt.
Denn für mich findet Unternehmensnachfolge immer auf mindestens zwei Ebenen statt.
Auf der sachlichen Ebene geht es um Strukturen, Eigentum, Verantwortlichkeiten und Termine.
Auf der menschlichen Ebene geht es um Rollen, Erwartungen, Identität, Vertrauen – und um die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen oder loszulassen.
Die sachliche Ebene lässt sich planen.
Die menschliche braucht Zeit.
Gerade in Familienunternehmen verändert sich mit einer Nachfolge eben nicht nur ein Organigramm. Aus Tochter oder Sohn wird möglicherweise eine Führungspersönlichkeit und Geschäftspartnerin bzw. Geschäftspartner. Aus dem bisherigen Entscheider wird jemand, der Verantwortung Schritt für Schritt abgeben muss.
Aber auch bei einer familienexternen Nachfolge entstehen neue Rollen: Aus dem langjährigen Kollegen wird plötzlich der Chef. Eine Führungsposition kann formal übertragen werden – Akzeptanz und Legitimation entstehen häufig erst danach.
Deshalb ist für mich Nachfolge kein einzelner Übergabetermin, sondern ein Prozess. Erwartungen müssen ausgesprochen, Entscheidungsräume geklärt und Verantwortung Schritt für Schritt erprobt werden.
Und dann passierte nach meinem Vortrag etwas, das all das auf sehr persönliche Weise noch einmal mit Leben füllte.
„Sagen Sie, sind Sie nicht die Tochter von Norbert?“
Während meines Vortrags war es ganz ruhig. Das kenne ich: Gerade bei diesem Thema sieht man den Menschen manchmal an, dass innerlich etwas arbeitet.
Dieses Mal fiel mir aber noch etwas anderes auf.
Als ich bei meiner Vorstellung erzählte, dass ich selbst aus einer Unternehmerfamilie stamme – bei der Gründung noch eine kleine Tischlerei, später ein weltweit tätiger Ladenbauer –, wurde ein Herr im Publikum plötzlich sehr aufmerksam.
Nach meinem Vortrag kam er auf mich zu.
„Entschuldigen Sie, sind Sie die Tochter von Norbert?“
Was folgte, war ein wunderbares Gespräch mit ihm und seiner Frau.
Wir sprachen über den unternehmerischen Weg meiner Eltern, über gemeinsam gemeisterte Projekte und über eine Zeit, von der ich selbst bis heute viel mitnehme – die aktive Unternehmerzeit meiner Eltern.
Ein Satz an diesem Abend hat mich besonders berührt:
„Wenn ich einem Unternehmer Erfolg gewünscht habe, dann Ihrem Vater.“

Als Unternehmerkind ist man nie nur man selbst
Dieser Moment hat mir noch einmal sehr deutlich gemacht, was es bedeutet, aus einer Unternehmerfamilie zu stammen.
Der Ruf einer Unternehmerin oder eines Unternehmers endet nicht automatisch mit dem aktiven Berufsleben. Meine Eltern sind längst im Ruhestand – und dennoch verbinden Menschen bis heute etwas mit ihnen und mit ihrer Art, Unternehmer zu sein.
Kunden, Geschäftspartner, Mitarbeitende, Banken oder andere Wegbegleiter erinnern sich an Begegnungen und gemeinsame Projekte. Sie erinnern sich daran, wofür jemand stand: an Loyalität, an ein gegebenes Wort, an die Förderung von Menschen oder an gesellschaftliches Engagement.
Und als Unternehmerkind trägt man einen Teil dieser Geschichte mit sich.
Man ist irgendwie nie nur man selbst.
Manchmal kommen damit Vorschusslorbeeren.
Manchmal Erwartungen.
Manchmal auch Skepsis.
Und das, obwohl die nächste Generation manches selbst gar nicht miterlebt hat, andere Teile der Unternehmensgeschichte nur aus Erzählungen kennt – und Mutter oder Vater zu Hause natürlich noch einmal ganz anders erlebt als Mitarbeitende, Kunden oder Geschäftspartner.
Gerade wenn ein Unternehmerkind später selbst in das Familienunternehmen eintritt, kann daraus eine ganz eigene Herausforderung entstehen:
Wie schaffe ich es, die Geschichte meiner Eltern zu würdigen – und gleichzeitig mein eigenes Standing aufzubauen?
Vielleicht hat mich genau deshalb diese Frage an diesem Abend so berührt:
„Sind Sie nicht die Tochter von Norbert?“
Ja.
Und ich bin stolz darauf.
Und zugleich steckt darin eine der großen Entwicklungsaufgaben vieler Unternehmerkinder: die eigene Geschichte neben der Geschichte der Eltern entstehen zu lassen.
Genau deshalb beginnt für mich eine gelungene Nachfolge lange vor der Unterschrift.
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