Mit 20 Chefin im Heidehotel Waldhütte – Ulrike Schütte über Nachfolge, Führung und Gastronomie
Wenn wir über Nachfolge in Familienunternehmen sprechen, denken viele sofort an den elterlichen Betrieb, der über Generationen weitergegeben wird. Bei Ulrike Schütte ist die Geschichte anders — und genau deshalb so spannend.
Ulrike ist geschäftsführende Inhaberin des Heidehotel Waldhütte in Telgte. Mit gerade einmal 20 Jahren übernahm sie Verantwortung für den Betrieb, noch mitten in ihrer Ausbildung. Sie ist keine klassische Nachfolgerin im Sinne einer dritten oder vierten Generation. Und doch ist sie im Herzen Unternehmerkind.

Unternehmerkind auf eigene Art
Ihr Vater war immer selbstständig: erst in der Landwirtschaft, später im Immobilienbereich. Unternehmertum war in Ulrikes Familie kein abstraktes Konzept, sondern Teil des Alltags. Am Frühstückstisch und beim Abendessen wurde über Verantwortung, Probleme, Geld, Entscheidungen und Lösungen gesprochen. Für Ulrike war das lange einfach normal. Erst später wurde ihr bewusst, wie sehr dieses Umfeld sie geprägt hat.
Ein wichtiger Aha-Moment dieser Folge ist: Unternehmerkind-Sein bedeutet nicht immer, dass man in einem Betrieb mitarbeitet oder automatisch in die Nachfolge hineinwächst. Manchmal wird nicht ein Unternehmen weitergegeben, sondern eine Haltung.
Bei Ulrike waren es Werte wie Pflichtbewusstsein, Verantwortungsgefühl, Durchhaltevermögen, Menschlichkeit und Optimismus. Sie hat früh erlebt, dass Selbstständigkeit nicht nur Freiheit bedeutet, sondern auch Risiko, Verantwortung und die Fähigkeit, nach Rückschlägen weiterzumachen.
Diese Prägung wurde wichtig, als aus einer Idee plötzlich Realität wurde: Die Familie kaufte das Heidehotel Waldhütte in Telgte — und Ulrike sah dort ihren eigenen Weg.
Mit Anfang 20 Chefin und Auszubildende zugleich
Heute führt Ulrike das Heidehotel Waldhütte mit einer Mischung aus Klarheit, Fachkompetenz und menschlicher Wärme. Für sie steht das Team an erster Stelle. Denn gerade in der Gastronomie ist gute Führung entscheidend.
Die Branche kämpft mit Fachkräftemangel, langen Arbeitszeiten und hoher Belastung. Ulrike hat früh erkannt: Wenn Menschen bleiben sollen, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören klare Öffnungszeiten, ein Ruhetag und eine Chefin, die sich schützend vor ihr Team stellt.
Ihr Führungsverständnis ist modern und zugleich sehr bodenständig. Gute Führung bedeutet für sie nicht, laut zu sein oder sich ständig beweisen zu müssen. Gute Führung bedeutet, Orientierung zu geben, Werte vorzuleben und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Menschen gerne ihr Bestes geben.
Führung in der Gastronomie: Klarheit und Menschlichkeit
Eigentlich war geplant, dass Ulrike erst ihre Ausbildung beendet, Berufserfahrung sammelt und später in die Verantwortung geht. Doch Nachfolge läuft selten nach Plan. Plötzlich kam alles schneller als gedacht.
Ulrike wurde Chefin und Auszubildende zugleich. Sie trug Verantwortung für knapp 20 Mitarbeitende und musste sich ihre Rolle als junge Unternehmerin erst erarbeiten. Besonders herausfordernd wurde es, als sich kurz nach der Übernahme die komplette Küche verabschiedete.
Das ist einer der stärksten Momente im Gespräch: Ulrike erzählt offen, dass sie oft nicht wusste, wie es weitergehen soll — und trotzdem weitergemacht hat. Genau hier zeigt sich, was Nachfolge und Unternehmertum wirklich bedeuten können: nicht perfekt vorbereitet zu sein, sondern mit der Aufgabe zu wachsen.
Was junge Frauen in Führung von Ulrike lernen können
Ein Herzensthema von Ulrike ist junge Frauen in Führung.
Sie kennt die erstaunten Blicke, wenn Gäste oder Geschäftspartner erfahren, dass sie die Chefin ist. Gerade als junge Frau musste sie erleben, dass Kompetenz manchmal erst bewiesen werden muss.
Ihr Rat an junge Frauen in Führung ist deshalb klar:
Glaube an dich selbst. Gib den Stimmen von außen nicht zu viel Macht. Du musst nicht laut beweisen, dass du es kannst. Es reicht, deine Arbeit gut zu machen, deine Werte zu kennen und deinen eigenen Weg zu gehen.
Für Ulrike geht es darum, den inneren Kompass ernst zu nehmen. Nicht jede gut gemeinte Meinung von außen passt zum eigenen Weg. Gerade in der Nachfolge oder beim Schritt in die Selbstständigkeit ist die wichtigste Frage: Mache ich das wirklich aus eigener Motivation — oder erfülle ich Erwartungen?
Nachfolge beginnt mit dem eigenen Warum
Eine der zentralen Botschaften dieser Podcastfolge ist: Nachfolge ist nicht nur eine organisatorische oder wirtschaftliche Entscheidung. Nachfolge ist auch eine persönliche Entscheidung.
Ulrike macht deutlich, wie wichtig die intrinsische Motivation ist. Wer ein Unternehmen übernimmt, sollte sich fragen:
- Passt diese Aufgabe zu mir?
- Kann ich meine Stärken einbringen?
- Macht mir diese Arbeit Freude?
- Sehe ich mich wirklich an diesem Ort?
Denn Selbstständigkeit fordert viel. Sie bringt Verantwortung, Druck und Rückschläge mit sich. Wenn das eigene Warum fehlt, wird es schwer, durch Krisen zu gehen und ein Unternehmen mit Menschen, Zahlen und Erwartungen zu führen.
Fazit: Nachfolge neu gedacht
Die Geschichte von Ulrike Schütte zeigt, dass Nachfolge viele Gesichter haben kann. Es muss nicht immer die klassische Übergabe eines Familienunternehmens sein. Manchmal entsteht Nachfolge dort, wo eine Unternehmerhaltung auf eine Gelegenheit trifft.
Ulrike hat das Heidehotel Waldhütte nicht einfach übernommen. Sie hat es sich zu eigen gemacht. Mit Klarheit, Menschlichkeit, Mut und einem starken Team.
Diese Folge von „Im Herzen Unternehmerkind“ ist besonders spannend für alle, die aus einem Unternehmerhaushalt kommen, sich mit Nachfolge beschäftigen oder ihren eigenen Weg in Führung und Selbstständigkeit suchen.
Denn sie zeigt: Man muss nicht alles vorher wissen. Man darf ins kalte Wasser springen. Und manchmal lernt man genau dort, wie man schwimmt.
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