Zwischen Schere und Verantwortung: Janina Weiper-Roesmann über Nachfolge
Was bedeutet es, in einem Familienunternehmen aufzuwachsen – und irgendwann selbst Verantwortung in der Nachfolge zu übernehmen?
In der 30. Folge von „Im Herzen Unternehmerkind“ spreche ich mit Janina Weiper-Roesmann aus Havixbeck. Sie ist Friseurmeisterin, Unternehmerin, Mutter von zwei Kindern und führt Weiper Friseure in vierter Generation. Der Familienbetrieb besteht bereits seit 1899 – eine beeindruckende Geschichte voller Handwerk, Tradition und Verantwortung.
In unserem Gespräch ging es um das Aufwachsen im Friseursalon, um Nachfolge im Familienunternehmen, um Selbstzweifel, Führung, Klarheit – und um die Frage, wie man aus einem bestehenden Familienbetrieb wirklich den eigenen Weg macht.

Nachfolge im Familienunternehmen: Zwischen Stolz und Druck
Ein Familienunternehmen in vierter Generation zu führen, klingt nach großer Tradition. Und das ist es auch. Aber Janina beschreibt sehr ehrlich, dass Tradition nicht nur Stolz bedeutet. Sie kann auch Druck erzeugen.
Denn wer in ein Unternehmen hineinwächst, übernimmt nicht nur Räume, Kundschaft und Abläufe. Man übernimmt auch Erwartungen, Geschichten und unausgesprochene Bilder davon, wie „man es schon immer gemacht hat“.
Besonders eindrücklich erzählt Janina von der Zeit, als Kundinnen und Kunden ihres Vaters plötzlich zu ihr wollten. Von außen bekam sie viel Vertrauen entgegengebracht – innerlich fühlte sie sich aber noch gar nicht so weit.
Ein Gefühl, das viele Unternehmerkinder kennen: Andere sehen schon die Nachfolgerin oder den Nachfolger, während man selbst noch dabei ist, die eigene Rolle zu finden.
Erst rausgehen, um wirklich zurückkommen zu können
Ein wichtiger Teil von Janinas Weg war der Schritt raus aus dem Familienbetrieb. Sie sammelte Erfahrungen außerhalb von Havixbeck, unter anderem in Düsseldorf, Duisburg und Chemnitz. Diese Zeit war für sie entscheidend, um herauszufinden:
Wer bin ich eigentlich im Friseurhandwerk – unabhängig von meiner Familie?
Gerade für Unternehmerkinder ist das ein spannender Punkt. Denn Nachfolge bedeutet nicht automatisch, einfach den Weg der Eltern weiterzugehen. Oft braucht es Abstand, eigene Erfahrungen und manchmal auch räumliche Distanz, um später wirklich bewusst zurückzukommen.
Janina beschreibt genau das: Erst durch den Blick von außen konnte sie neu bewerten, was sie zu Hause hatte – und welchen eigenen Platz sie darin einnehmen wollte.
Nachfolge im Familienbetrieb: Tochter, Chefin, Kollegin
Ein weiteres zentrales Thema der Folge ist Führung im Familienunternehmen. Janina arbeitet bis heute mit ihren Eltern zusammen. Ihr Vater und ihre Mutter sind weiterhin im Betrieb aktiv, gleichzeitig ist Janina heute im Lead.
Das bringt besondere Herausforderungen mit sich. Denn im Familienbetrieb verschwimmen Rollen schnell:
Man ist Tochter, Kollegin, Chefin und Unternehmerin zugleich.
Janina spricht darüber, wie wichtig klare Aufgabenbereiche sind – für die Familie, für das Team und für sie selbst. Gleichzeitig wird deutlich: Führung im Familienunternehmen funktioniert nicht durch Hierarchie allein. Sie braucht Vertrauen, Kommunikation und Augenhöhe.
Klarheit ist keine Härte
Janina steht für klare Kommunikation. Im Gespräch wird deutlich, dass Klarheit für sie ein zentrales Führungsprinzip ist – gerade auch in der Ausbildung.
Sie sagt sinngemäß: Es gibt Momente im Arbeitsalltag, da braucht es eine klare Ansage. Nicht aus Härte, sondern weil Orientierung wichtig ist. Für Mitarbeitende, für Auszubildende und für die Qualität der Arbeit.
Besonders spannend ist dabei der Blick auf weibliche Führung. Janina beschreibt, dass klare Frauen schnell als kühl, hart oder unsensibel wahrgenommen werden. Trotzdem und gerade deshalb bleibt sie bei ihrem Stil: direkt, wertschätzend und klar.
Ein Gedanke zieht sich durch die Folge besonders stark:
Wer andere führen möchte, muss zuerst lernen, sich selbst zu führen.
Muttersein und Unternehmertum
Janina ist nicht nur Unternehmerin, sondern auch Mutter von zwei Kindern. Auch darüber sprechen wir in der Folge.
Sie beschreibt sehr offen den Spagat zwischen Betrieb, Familie, Mental Load und Verantwortung.
Besonders spannend ist ihre Entscheidung, mit ihrer Familie wieder näher an den Betrieb zu ziehen. Nicht, weil Arbeit und Leben immer streng getrennt sein müssen – sondern weil sie für sich erkannt hat, dass weniger Logistik mehr Lebensqualität bedeutet.
Auch das ist ein wichtiger Gedanke für Unternehmerkinder und Nachfolger:innen: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Entscheidend ist, ehrlich zu prüfen, was zum eigenen Leben passt.
Mein Fazit zur Folge mit Janina
Die 30. Folge von „Im Herzen Unternehmerkind“ ist für mich eine ganz besondere Folge. Nicht nur wegen des kleinen Jubiläums, sondern weil Janinas Geschichte so viel von dem zeigt, worum es in diesem Podcast geht.
Unternehmerkind zu sein bedeutet nicht nur, ein Unternehmen zu kennen. Es bedeutet, mit Verantwortung aufzuwachsen, Erwartungen zu spüren, sich selbst zu hinterfragen – und irgendwann den Mut zu finden, den eigenen Weg zu gehen.
Janina Weiper-Roesmann zeigt: Nachfolge im Familienunternehmen ist kein einfacher Rollenwechsel. Es ist ein persönlicher Entwicklungsweg.
Und manchmal beginnt dieser Weg genau dort, wo man als Kind schon zwischen Schere, Haarspray und Kundengesprächen herumgelaufen ist.
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