Rechtsnachfolge richtig gestalten: Klarheit für die Übergabe
Unternehmensnachfolge ist ein Thema, das viele Unternehmerfamilien begleitet – und dennoch häufig aufgeschoben wird. Zu komplex, zu emotional, zu viele offene Fragen. Dabei zeigt die Praxis immer wieder: Rechtsnachfolge scheitert selten an fehlenden rechtlichen Möglichkeiten. Sie scheitert viel häufiger daran, dass unklar ist, was eigentlich gewollt ist.
Genau darüber habe ich in meinem Podcast Im Herzen Unternehmerkind mit Kathrin Lühl, Syndikusrechtsanwältin bei der Kreishandwerkerschaft Coesfeld, gesprochen. Sie begleitet seit vielen Jahren Handwerksbetriebe bei der Rechtsnachfolge und kennt die Herausforderungen aus der täglichen Praxis.

Nachfolge ist kein einzelner Schritt
Ein zentraler Gedanke aus dem Gespräch lautet: Unternehmensnachfolge ist kein punktuelles Ereignis. Sie ist ein Prozess. Viele Unternehmer treffen innerlich eine Entscheidung und wünschen sich dann eine schnelle Umsetzung. Aus juristischer Sicht greift das zu kurz.
Denn Nachfolge bedeutet immer auch, Rollen neu zu definieren, Verantwortung abzugeben und zu übernehmen sowie Erwartungen offen auszusprechen. Das braucht Zeit – und einen klaren Rahmen.
Kathrin Lühl macht deutlich, dass rechtliche Lösungen in der Rechtsnachfolge fast immer möglich sind. Die eigentliche Schwierigkeit liegt jedoch davor.
Oft fehlt die innere Klarheit darüber, was der Übergeber oder die Nachfolgerin wirklich möchten. Solange diese Klarheit nicht vorhanden ist, können Verträge noch so sauber formuliert sein – sie tragen nicht.
Wenn Nachfolge in der Familie stattfindet
Besonders anspruchsvoll wird Nachfolge dann, wenn sie innerhalb der Familie erfolgt. Hier treffen unternehmerische Fragen auf gewachsene Beziehungen, Rollenbilder und Emotionen. Kathrin Lühl beschreibt familieninterne Nachfolge als deutlich emotionaler – und damit häufig komplexer – als externe Übergaben.
Aus ihrer Erfahrung ist es deshalb sinnvoll, dass zunächst die Kernfamilie miteinander spricht, bevor Partner oder weitere Beteiligte einbezogen werden.
Nicht, um andere auszuschließen, sondern um eine gemeinsame innere Linie zu finden. Erst wenn diese vorhanden ist, kann rechtliche Klarheit entstehen.
„Die größte Schwierigkeit in der Rechtsnachfolge ist oft nicht die Umsetzung, sondern überhaupt zu formulieren, was man sich wünscht.“
Kathrin Lühl

Schrittweise Übergabe statt harter Schnitt
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die sogenannte gleitende Nachfolge. Statt eines festen Übergabestichtags empfiehlt Kathrin Lühl, Verantwortung schrittweise zu übergeben.
Zuständigkeiten wachsen mit der Rolle, Akzeptanz entsteht im Alltag, und sowohl Betrieb als auch Belegschaft haben Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen.
Diese Form der Übergabe schafft Stabilität – auf menschlicher wie auf organisatorischer Ebene.
Nachfolge ist ein Lernprozess
Gerade Unternehmerkinder stehen häufig unter dem Druck, alles wissen und alles richtig machen zu müssen. Dem setzt Kathrin Lühl eine klare Haltung entgegen: Es gibt keine dummen Fragen. Nachfolge ist ein Lernprozess. Entscheidend ist nicht, alles zu wissen, sondern zu wissen, an wen man sich mit Fragen wenden kann.
Innere Klarheit vor rechtlicher Klarheit
Die Essenz des Gesprächs lässt sich in einem Satz zusammenfassen:
Erst innere Klarheit – dann rechtliche Klarheit. Nur diese Kombination kann funktionieren.
Wer weiß, was er will, kann rechtliche Strukturen schaffen, die genau das abbilden. Ohne diese Klarheit bleibt Nachfolge anstrengend und konfliktanfällig.
Fazit
Unternehmensnachfolge ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung – für den Betrieb, die Familie und die nächste Generation. Das Gespräch mit Kathrin Lühl zeigt eindrücklich, dass Rechtsnachfolge im Handwerk dann leichter wird, wenn sie nicht verdrängt, sondern bewusst gestaltet wird: mit Zeit, Klarheit und ehrlichen Gesprächen.
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