Positionierung: Deinen Platz im Familienunternehmen finden
Viele Nachfolgerinnen und Nachfolger steigen ins Familienunternehmen ein – doch nur wenige nehmen sich bewusst ihren eigenen Platz.
Statt klarer Positionierung erleben viele einen schleichenden Einstieg: hier aushelfen, dort Verantwortung übernehmen, überall gebraucht werden. Doch irgendwann entsteht ein Gefühl von Unklarheit.
Bin ich hier, weil ich es wirklich will – oder weil es erwartet wird?
Wenn Du Deinen Platz im Familienunternehmen finden möchtest, beginnt dieser Prozess nicht mit einer Stellenbeschreibung. Sondern mit einer inneren Entscheidung.

Warum Positionierung in der Nachfolge so entscheidend ist
Viele Nachfolgerinnen und Nachfolger steigen schrittweise ins Unternehmen ein. Sie helfen in verschiedenen Bereichen, übernehmen operative Verantwortung und lernen die Strukturen kennen. Dieser Prozess ist sinnvoll und wichtig. Problematisch wird es jedoch, wenn aus dieser Phase keine bewusste Rollenklärung entsteht.
Positionierung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Selbstdarstellung. Sie bedeutet Klarheit. Klarheit darüber, wofür man steht, welche Verantwortung man trägt und welche Art von Führung man verkörpern möchte.
Fehlt diese Klarheit, entsteht häufig ein schleichender Rollenkonflikt. Mitarbeitende orientieren sich weiterhin an der Elterngeneration. Entscheidungen wirken nicht eindeutig zugeordnet. Und die Nachfolgerin oder der Nachfolger bleibt innerlich im Spannungsfeld zwischen „Kind“ und „Führungskraft“.
Eine klare Positionierung schafft hier Stabilität. Sie definiert Zuständigkeiten, Haltung und Verantwortungsbereiche – und reduziert damit systemische Reibung.
Die unbewusste Vorprägung der eigenen Rolle
Im Familienunternehmen beginnt Positionierung nicht erst mit dem offiziellen Einstieg. Sie entsteht oft schon Jahre zuvor. Durch familiäre Dynamiken, durch Rollenvorbilder und durch implizite Erwartungen.
Vielleicht war der Vater die repräsentative Unternehmerpersönlichkeit, während die Mutter intern die Beziehungsarbeit verantwortete. Solche Bilder prägen – bewusst oder unbewusst – die Vorstellung davon, wie Führung aussieht und wer welche Rolle übernimmt.
Wer seine Positionierung nicht aktiv reflektiert, übernimmt häufig eine Rolle, die logisch erscheint, aber nicht zwingend zur eigenen Persönlichkeit passt. Langfristig führt das zu innerer Distanz zur eigenen Aufgabe.
Der häufigste Fehler in der Nachfolge: Fehlende Positionierung
Ein typisches Muster in der Nachfolge im Familienunternehmen ist das sogenannte „Springer-Phänomen“.
Nachfolger:innen:
- helfen überall aus
- übernehmen operative Aufgaben
- lernen alle Bereiche kennen
- sind flexibel einsetzbar
Das ist wertvoll – aber nur für eine gewisse Zeit.
Denn ohne klare Positionierung entsteht langfristig ein Problem:
Man ist involviert, aber nicht verantwortlich.
Man arbeitet im Unternehmen – aber nicht an der eigenen Rolle.
Die entscheidende Frage lautet:
Wann wirst Du vom Sohn oder von der Tochter zur Führungspersönlichkeit?
Positionierung als strategischer Erfolgsfaktor
Positionierung ist deshalb kein individuelles Ego-Thema. Sie ist ein strategischer Erfolgsfaktor für die gesamte Organisation. Eine klar definierte Rolle schafft Orientierung, reduziert Konflikte und stärkt die Führungskultur.
Für Nachfolgerinnen und Nachfolger beginnt dieser Prozess mit ehrlicher Selbstreflexion: Welche Stärken bringe ich mit? Welche Verantwortung möchte ich übernehmen? Welche Vision habe ich für dieses Unternehmen?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann Positionierung wirksam werden.
Moderne Führung im Familienunternehmen
Viele Vorgängergenerationen waren stark operativ geprägt. Sie arbeiteten im Unternehmen – oft in allen Bereichen gleichzeitig.
Heute ist Führung komplexer.
Moderne Führung im Familienunternehmen bedeutet:
- strategisch zu denken
- Verantwortung zu teilen
- Mitarbeitende zu befähigen
- AM Unternehmen zu arbeiten statt IM Unternehmen
Das erfordert Selbstführung – und Klarheit über die eigene Rolle.
Fazit: Dein Platz im Familienunternehmen ist eine Entscheidung
Der Platz im Familienunternehmen ist keine automatische Folge der Herkunft. Er ist das Ergebnis bewusster Positionierung.
Unternehmensnachfolge bedeutet nicht, eine Rolle zu übernehmen, die vorgezeichnet ist. Sie bedeutet, eine eigene Rolle zu gestalten, die zur Persönlichkeit, zur Kompetenz und zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens passt.
Wer langfristig motiviert und wirksam führen möchte, kommt an diesem Schritt nicht vorbei.
Positionierung ist keine Phase im Nachfolgeprozess.
Sie ist sein Fundament.
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