Gemeinwohl als Haltung in der Unternehmensnachfolge
Unternehmensnachfolge beginnt selten mit großen Visionen. Meist beginnt sie mit Verantwortung.
Mit der Verantwortung, ein bestehendes Unternehmen weiterzuführen.
Mit Erwartungen aus der Familie, von Mitarbeitenden, von Kund:innen.
Und mit der leisen Frage im Hintergrund: Wie möchte ich eigentlich selbst unternehmerisch wirken?
Genau an dieser Stelle taucht ein Thema auf, das viele Nachfolger:innen zunächst nicht auf der Agenda haben – und das dennoch enormes Potenzial birgt: Gemeinwohl-Orientierung.

Gemeinwohl – kein Idealismus, sondern Haltung
In meinem Podcast Im Herzen Unternehmerkind habe ich genau darüber mit Dr. Volker Oshege gesprochen.
Volker ist Vorstand der viadee ag und hat den Weg des Unternehmens hin zu einer gemeinwohlorientierten, mitarbeitergeführten Organisation aktiv mitgestaltet.
Was im Gespräch schnell deutlich wurde: Gemeinwohl ist kein moralischer Zeigefinger.
Und auch kein „Nice-to-have“, das man sich leistet, wenn wirtschaftlich alles gesichert ist.
Gemeinwohl beginnt mit einer inneren Haltung – mit der Frage, wie wir Unternehmen verstehen:
als reine Leistungseinheiten oder als soziale Konstrukte, in denen Menschen gemeinsam wirksam sind.
Warum gerade Nachfolger:innen besonders profitieren
Viele Menschen in der Nachfolge stehen im Spannungsfeld zwischen Bewahren und Erneuern.
Sie übernehmen funktionierende Strukturen – und spüren gleichzeitig, dass sich Wirtschaft, Arbeit und Erwartungen verändert haben.
Gemeinwohl-Orientierung kann hier ein Brückenbauer sein:
- zwischen alter und neuer Generation
- zwischen wirtschaftlichem Erfolg und menschlicher Führung
- zwischen individueller Verantwortung und gemeinschaftlichem Tragen
Volker bringt es im Gespräch sehr klar auf den Punkt:
Gutes Unternehmertum bedeutet nicht, alles selbst zu können.
„Ich muss nicht die eierlegende Wollmilchsau sein.“
Gerade für Nachfolger:innen ist das eine entlastende Erkenntnis.
Unternehmen sind Gemeinschaften – keine Einzelleistungen
Ein zentrales Motiv des Gesprächs war die Abkehr vom Unternehmer-Heroismus.
Von der Vorstellung, dass eine einzelne Person alles wissen, alles entscheiden und alles tragen muss.
Volker beschreibt Unternehmertum stattdessen als Zusammenspiel unterschiedlicher Stärken:
- Menschen, die führen
- Menschen, die fachlich tief sind
- Menschen, die Zahlen lieben
- Menschen, die Beziehungen gestalten
Gemeinwohl zeigt sich hier ganz konkret:
in Vertrauen, in Beteiligung, in der Anerkennung von Unterschiedlichkeit.
Konkrete Tipps von Volker für Nachfolgerinnen und Nachfolger
Aus dem Gespräch lassen sich einige sehr praktische Impulse ableiten:
✅ Einfach anfangen – nicht perfekt planen – Gemeinwohl muss nicht sofort zertifiziert werden. Entscheidend ist, erste Schritte zu gehen, die zur eigenen Haltung passen.
✅ Haltung vor Instrument – Zertifikate, Modelle oder Beteiligungsformen wirken nur dann, wenn sie von einer echten inneren Überzeugung getragen werden.
✅ Verantwortung teilen – Führung und Eigentum dürfen auf mehrere Schultern verteilt sein – das entlastet und macht Unternehmen widerstandsfähiger.
✅ Nachhaltigkeit ganzheitlich denken – Ökonomisch, ökologisch und sozial. Langfristiger Erfolg entsteht dort, wo alle drei Dimensionen zusammenspielen.
Gemeinwohl als Zukunftskompetenz in der Nachfolge
Vielleicht ist Gemeinwohl-Orientierung nicht der erste Gedanke, wenn es um Unternehmensnachfolge geht.
Aber sie kann ein sehr kraftvoller zweiter sein.
Nicht als moralisches Konzept.
Sondern als Haltung, die Zusammenarbeit, Führung und Verantwortung neu ordnet.
Und genau darin liegt – aus meiner Sicht – eine große Chance für Nachfolger:innen, die Unternehmen nicht nur weiterführen, sondern bewusst in die Zukunft tragen wollen.
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Wenn du das Thema Gemeinwohl-Orientierung in der Unternehmensnachfolge weiter vertiefen möchtest, lade ich dich herzlich ein, in die Podcastfolge Im Herzen Unternehmerkind mit Dr. Volker Oshege hineinzuhören.
Im Gespräch geht es um innere Haltung, gemeinschaftliches Unternehmertum und die Frage, wie Unternehmen zukunftsfähig bleiben, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren.
Eine Folge für alle, die Nachfolge nicht nur als Übergabe, sondern als bewusste Weiterentwicklung verstehen.
Wenn dir die Folge gefallen hat, freue ich mich riesig über dein Feedback oder wenn du den Kanal abonnierst.
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