Emotionale Kompetenz trifft Informationskompetenz – Gespräch mit Thilo Baum
Entscheidungen in Unternehmerfamilien entstehen selten ausschließlich auf der Sachebene.
Sie bewegen sich im Spannungsfeld von Nähe, Loyalität, Verantwortung und wirtschaftlichem Risiko. Genau deshalb reicht es nicht aus, sich allein auf Fakten zu verlassen.
In einer aktuellen Podcastfolge von Im Herzen Unternehmerkind habe ich mit Thilo Baum, Experte für Informationskompetenz, darüber gesprochen, warum emotionale Kompetenz und Informationskompetenz zusammengehören – und weshalb Klarheit in Unternehmerfamilien immer auf zwei Ebenen entsteht:
emotional und kognitiv.
Warum Entscheidungen in Unternehmerfamilien besonders herausfordernd sind
Unternehmerfamilien vereinen zwei Systeme, die nach unterschiedlichen Logiken funktionieren.
Die Familie ist geprägt von Beziehung, Zugehörigkeit und Loyalität. Das Unternehmen hingegen folgt einer Entscheidungslogik, in der Verantwortung, Abwägung und Tragweite im Vordergrund stehen.
Diese beiden Logiken widersprechen sich nicht – sie geraten jedoch dann in Konflikt, wenn sie unbewusst miteinander vermischt werden. Viele Spannungen in Unternehmerfamilien entstehen nicht aus bösem Willen, sondern aus ungeklärten Erwartungen, unausgesprochenen Annahmen und emotional gefärbten Informationen.
Emotionale Kompetenz: Voraussetzung für klare Wahrnehmung
Emotionen sind kein Störfaktor. Sie zeigen, dass etwas Bedeutung hat – für die Familie, für das Unternehmen, für die eigene Rolle.
Problematisch wird es dort, wo Emotionen unbemerkt Entscheidungen steuern. Thilo Baum sagt dazu:
„Emotionen sind ein Signal. Aber sie sind kein guter Ratgeber für Entscheidungen – vor allem nicht in Unternehmerfamilien.“
Emotionen beeinflussen, wie Informationen wahrgenommen und bewertet werden. Wer emotional stark involviert oder getriggert ist, filtert Informationen selektiv.
Genau hier wird deutlich, warum emotionale Kompetenz die Grundlage für jede Form von Informationskompetenz ist. Ohne innere Klarheit ist es kaum möglich, Informationen nüchtern einzuordnen.

„Bevor wir reagieren, sollten wir uns fragen: Ist das eine Tatsache, eine Vermutung oder eine Meinung? Allein diese Unterscheidung schafft Klarheit.“
Thilo Baum
Informationskompetenz: Klarheit durch Einordnung
Informationskompetenz bedeutet nicht, grundsätzlich misstrauisch zu sein.
Sie bedeutet, unterscheiden zu können, womit man es gerade zu tun hat.
Gerade in Unternehmerfamilien ist es entscheidend, Aussagen einzuordnen: Handelt es sich um einen überprüfbaren Fakt, um eine Vermutung, um eine persönliche Meinung oder um eine bloße Behauptung?
Viele Konflikte entstehen, wenn diese Unterscheidung nicht getroffen wird und Vermutungen wie Tatsachen behandelt werden.
Wo Kritik emotional schwer auszuhalten ist, wird diese Einordnung besonders wichtig. Sie schafft Distanz – nicht zwischen Menschen, sondern zwischen Gefühl und Information.
Klarheit entsteht durch einen bewussten Schritt zurück
Klarheit bedeutet nicht Rückzug und auch nicht emotionale Kälte.
Sie entsteht durch die Fähigkeit, kurz innezuhalten: die eigene Reaktion wahrzunehmen, die Situation zu betrachten und zu prüfen, was tatsächlich bekannt ist – und was lediglich angenommen wird.
Gerade in Unternehmerfamilien braucht es Mut, diese Haltung einzunehmen. Doch sie ist entscheidend, um Entscheidungen zu treffen, die sowohl unternehmerisch tragfähig als auch beziehungsstabil sind.
Bauchgefühl und Fakten – eine notwendige Verbindung
Intuition spielt im Unternehmertum seit jeher eine große Rolle.
Bauchgefühl entsteht aus Erfahrung, aus Versuch und Irrtum, aus vielen getroffenen Entscheidungen über Jahre hinweg.
In einer komplexen und unsicheren Welt reicht Intuition allein jedoch nicht mehr aus. Sie braucht eine Spiegelung durch Informationen – nicht, um ersetzt zu werden, sondern um eingeordnet zu werden. Gute Entscheidungen entstehen dort, wo Emotionen wahrgenommen, Informationen geprüft und Verantwortung bewusst getragen werden.
Warum dieses Thema für Unternehmerfamilien heute so relevant ist
Informationsflut, Unsicherheit und steigender Entscheidungsdruck betreffen Unternehmerfamilien in besonderem Maße. Wer emotionale Kompetenz und Informationskompetenz miteinander verbindet, schafft Klarheit – für das Unternehmen und für die Familie.
Diese Podcastfolge ist eine Einladung, genauer hinzuschauen:
- Was wissen wir wirklich?
- Was fühlen wir?
- Und was brauchen wir, um gute Entscheidungen zu treffen?
Fazit: Klarheit entsteht zwischen Gefühl und Information
Entscheidungen in Unternehmerfamilien brauchen mehr als gute Absichten oder fundierte Zahlen.
Sie brauchen die Fähigkeit, Emotionen wahrzunehmen, ohne sich von ihnen leiten zu lassen – und Informationen einzuordnen, ohne ihnen blind zu folgen.
Das Gespräch mit Thilo Baum macht deutlich, dass emotionale Kompetenz und Informationskompetenz keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Erst im Zusammenspiel entsteht die Klarheit, die Unternehmerfamilien benötigen, um tragfähige Entscheidungen zu treffen – für das Unternehmen und für die Beziehungen innerhalb der Familie.
Wer bereit ist, einen Schritt zurückzutreten, genauer hinzuschauen und die eigene Wahrnehmung zu reflektieren, schafft Raum für bessere Gespräche, fundiertere Entscheidungen und langfristige Stabilität. Nicht, weil alles kontrollierbar wäre – sondern weil Klarheit Orientierung gibt in einer komplexen Welt.
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Die passende Podcastfolge findest du bei Im Herzen Unternehmerkind.
Dort sprechen wir ausführlich darüber, wie Klarheit in Unternehmerfamilien entstehen kann – jenseits von schnellen Lösungen.
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